PRESSEMITTEILUNG: Frühlingsgefühle bei Meister Lampe

Baden-Württembergs Jägerinnen und Jäger haben in über 120 Revieren Feldhasen gezählt. Das Ergebnis: Der Fortpflanzungserfolg sorgt für Rekordzahlen. Der Landesjagdverband Baden-Württemberg e.V. blickt dennoch mit Sorge in die Zukunft des einstigen Allerweltstiers.

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(Stuttgart, 25. März 2024) Mehr Feldhasen erscheinen wieder im Scheinwerferlicht. Die Jäger in Baden-Württemberg erfassen bereits seit 1997 die Hasenpopulation durch nächtliche Stichprobenzählungen. Die Feldhasenpopulation wird sowohl im Frühjahr als auch im Herbst durch engagierte Jägerinnen und Jäger ehrenamtlich erfasst, aktuell in über 120 Zählrevieren. Wieder haben sich mehrere Hundert Jagdpächter an den Zählungen beteiligt und ihre Ergebnisse an die Wildforschungsstelle des Landes (WFS) gemeldet. Die WFS legte nun die Auswertung der Erfassungen vor. Für das Frühjahr 2023 wurde landesweit eine durchschnittliche Zahl von 19 Feldhasen pro Quadratkilometer Offenlandfläche ermittelt. Diese Zahl deckt sich exakt mit dem für ganz Deutschland durch das Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD) ermittelten Wert. Im Land sind die meisten Feldhasen in der mittelbadischen Rheinebene sowie im Donau-Iller-Lech-Raum zu finden. Die niedrigsten Hasenzahlen liegen im Hochrheingebiet und im oberschwäbischen Hügel- und Moorland.

Besonders erfreulich war 2023 der gute Fortpflanzungserfolg, der im Bundesdurchschnitt, bei 15 Prozent lag. In Baden-Württemberg konnte sogar ein Zuwachs von insgesamt 24 Prozent festgestellt und rund 22 Feldhasen pro Quadratkilometer im Herbst erfasst werden. Solch gute Werte wurden seit Beginn der Zählungen noch nicht erreicht.

Die Hasenpopulationen unterliegen aufgrund der Witterung oder dem Krankheitsgeschehen immer auch jährlichen wie regionalen Schwankungen. Nach Angaben der Meteorologen war 2023 das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung 1881 mit milden Temperaturen bis in den September, jedoch mit niederschlagsreichen Perioden. Für Feldhasennachwuchs ist nasskalte Witterung in den ersten zwei Lebenswochen bedrohlich.

Das einstige Allerweltstier der Feldflur ist jahrzehntelang seltener geworden, die Daten der Wildforschungsstelle dokumentieren jedoch eine Stabilisierung der Population. Die Feldhasen sind wichtige Indikatoren für die Lebensraumbedingungen in der Agrarlandschaft. Die Intensivierung und Maschinisierung der Landwirtschaft, die Flächenversiegelung sowie der zunehmende Straßenverkehr haben ihre Lebensräume verschlechtert. Hinzu kommen Krankheiten und eine große Anzahl von Fressfeinden.

Als ursprünglicher Steppenbewohner benötigt der Feldhase eine strukturreiche Offenlandfläche. Besonders Brachen mit unterschiedlichen Wildkräutern sind essentiell als Futtergrundlage. Die sogenannte Hasenapotheke umfasst mehrere Dutzend Wildpflanzen wie Baldrian, Löwenzahn oder Wilde Möhre.

Ohne solche ausgleichenden Verbesserungsmaßnahmen für die Artenvielfalt wird der Rückgang vieler Feldbewohner nicht aufzuhalten sein. Der Landesjagdverband Baden-Württemberg e.V. (LJV) sieht deshalb mit großer Sorge, dass verpflichtende Standards zur Förderung der Artenvielfalt in der agrarpolitischen Debatte um Agrardiesel und Steuern geopfert wurden. Die Umsetzung von vier Prozent Brachfläche für bestimmte landwirtschaftliche Betriebe, die von der Europäischen Union bereits 2023 beschlossenen wurde, wäre ein dringend benötigter Ausgleich für die Artenvielfalt. Mit dem Aussetzen dieser Auflagen wird eine große Chance zum Erhalt aller Feldbewohner vertan.